Eichhörnchen Fakten

Eichhörnchen gehören zu den bekanntesten Wildtieren in Deutschland. Fast jeder erkennt sie sofort – und trotzdem wissen viele erstaunlich wenig über ihr Verhalten, ihre Ernährung und ihre Fähigkeiten.

Das heimische Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) lebt nicht nur im Wald. Es hat sich auch Parks, Friedhöfe und Gärten als Lebensraum erschlossen, sofern dort genügend alte Bäume, Nahrung und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind.

Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf

Das ist einer der häufigsten Irrtümer.

Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, sondern reduzieren im Winter ihre Aktivität. Sie verbringen dann viel Zeit im Kobel, verlassen ihn aber regelmäßig zur Nahrungssuche.

Anders als viele Winterschläfer legen sie auch keine großen Fettreserven an. Deshalb sind ihre im Herbst angelegten Vorräte besonders wichtig.

Sie haben nicht nur ein einziges Vorratslager

Eichhörnchen bauen keine große Speisekammer.

Stattdessen verteilen sie ihre Vorräte auf viele kleine Verstecke. Nüsse, Bucheckern, Samen und andere Nahrung werden beispielsweise im Boden, unter Laub, in Mauerspalten oder unter Baumrinde versteckt.

Das hat einen Vorteil: Findet ein anderes Tier eines der Verstecke, ist nicht gleich der gesamte Wintervorrat verloren.

Sie erinnern sich nicht einfach an jede einzelne Nuss

Oft hört man, Eichhörnchen könnten sich die genaue Position jedes Vorrats merken.

So einfach ist es nicht.

Beim Wiederfinden spielen sowohl Orientierung als auch der Geruchssinn eine wichtige Rolle. Sie kennen offenbar die ungefähren Bereiche und Muster ihrer Verstecke, finden aber keineswegs jeden Vorrat wieder.

Genau das hat einen interessanten Nebeneffekt.

Eichhörnchen pflanzen unbeabsichtigt Bäume

Vergessene Haselnüsse, Bucheckern oder andere Samen können im Frühjahr keimen.

Dadurch tragen Eichhörnchen zur Verbreitung von Pflanzen und zur Waldverjüngung bei. Die Deutsche Wildtier Stiftung bezeichnet sie deshalb treffend als „vergessliche Gärtner“.

Der Schwanz ist viel mehr als nur Dekoration

Der buschige Schwanz hat gleich mehrere Funktionen.

Beim Springen dient er als Steuer- und Gleichgewichtsorgan. Im Winter kann er außerdem wie eine wärmende Decke über den Körper gelegt werden. Auch bei Kommunikation und Gefahr spielt die Schwanzbewegung eine Rolle.

Mit bis zu rund 20 Zentimetern kann der Schwanz fast so lang sein wie der eigentliche Körper.

Eichhörnchen können überraschend weit springen

Von einem Ast zum nächsten schaffen Eurasische Eichhörnchen Sprünge von bis zu etwa zwei Metern.

Dabei helfen ihnen kräftige Hinterbeine, scharfe Krallen und ihr langer Schwanz.

Was für uns nach einem riskanten Sprung aussieht, gehört für ein Eichhörnchen zum normalen Fortbewegungsrepertoire.

Sie können kopfüber einen Baum hinunterlaufen

Eine besonders auffällige Fähigkeit ist das schnelle Abwärtsklettern.

Ihre Hinterfüße können so eingesetzt werden, dass die Krallen auch beim kopfüber gerichteten Abstieg Halt an der Rinde finden. Dadurch können Eichhörnchen Bewegungen ausführen, die viele andere Säugetiere auf Bäumen deutlich schlechter beherrschen.

Schwarze Eichhörnchen sind nicht automatisch Grauhörnchen

Das Fell des Europäischen Eichhörnchens kann sehr unterschiedlich aussehen.

Es reicht von hellen Rot- und Brauntönen bis hin zu fast schwarz. Gerade dunkle heimische Eichhörnchen werden deshalb manchmal fälschlicherweise für nordamerikanische Grauhörnchen gehalten.

In Deutschland gibt es nach Angaben des LBV bislang keine etablierten Grauhörnchen-Vorkommen.

Das Winterfell sieht anders aus als das Sommerfell

Im Winter wird das Fell dichter und kann deutlich grauer erscheinen.

Auch der Schwanz wirkt in der kalten Jahreszeit besonders buschig.

Deshalb kann dasselbe Tier im Januar optisch erheblich anders wirken als im Sommer.

Bucheckern sind tatsächlich natürliche Eichhörnchennahrung

Eichhörnchen werden häufig nur mit Haselnüssen dargestellt.

Ihre natürliche Ernährung ist jedoch erheblich breiter. Dazu gehören unter anderem:

  • Haselnüsse
  • Walnüsse
  • Bucheckern
  • Eicheln
  • Fichten- und Kiefernsamen
  • Hainbuchensamen
  • Beeren
  • Knospen
  • Pilze
  • Baumrinde

Bucheckern werden von mehreren Fachquellen ausdrücklich als Bestandteil der natürlichen Nahrung genannt.

Eichhörnchen essen sogar Pilze

Pilze gehören tatsächlich zum Speiseplan.

Das ist vielen Menschen unbekannt, weil Eichhörnchen meist nur zusammen mit Nüssen gezeigt werden. Neben Pilzen nehmen sie je nach Jahreszeit auch Knospen, Triebe, Rinde, Beeren und Früchte auf.

Sie sind damit deutlich weniger spezialisierte Nussfresser, als ihr Image vermuten lässt.

Und sie sind nicht ausschließlich Vegetarier

Auch das überrascht viele.

Eichhörnchen fressen überwiegend pflanzliche Nahrung, können aber gelegentlich auch Insekten, Vogeleier oder andere tierische Nahrung aufnehmen.

Ihre Ernährung richtet sich stark danach, was gerade verfügbar ist.

Eichhörnchen entwickeln individuelle Fressgewohnheiten

Nicht jedes Eichhörnchen bevorzugt automatisch dasselbe Futter.

Der LBV weist darauf hin, dass unterschiedliche Nahrungsauswahl auch durch individuelle Erfahrung geprägt wird. Besonders nach dem Verlassen des Nestes entwickeln sich eigene Fressgewohnheiten.

Das erklärt auch, warum an derselben Futterstelle ein Eichhörnchen zuerst Bucheckern nimmt, während ein anderes vielleicht Haselnüsse bevorzugt.

Gute Buchenjahre können mehr Eichhörnchen bedeuten

Die Zahl der Eichhörnchen hängt überraschend stark vom Nahrungsangebot der Bäume ab.

Wenn beispielsweise Buchen oder Fichten besonders viele Samen produzieren, kann in der Folge auch die Eichhörnchenpopulation wachsen. In schlechten Samenjahren kann sie wiederum zurückgehen.

Damit besteht eine direkte Verbindung zwischen sogenannten Mastjahren der Bäume und der Entwicklung der Eichhörnchenbestände.

Alte Bäume sind für Eichhörnchen besonders wichtig

Ein Wald mit vielen jungen Bäumen ist nicht automatisch ein guter Eichhörnchenwald.

Viele Baumarten produzieren erst im höheren Alter größere Mengen Samen. Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung beginnen Rotbuchen beispielsweise häufig erst im Alter von ungefähr 30 bis 50 Jahren mit relevanter Samenproduktion.

Alte Mischwälder bieten deshalb ein besonders stabiles Nahrungsangebot.

Der Kobel ist keine Vorratskammer

Das kugelige Nest des Eichhörnchens heißt Kobel.

Es besteht aus Zweigen und wird innen mit weicherem Material wie Moos und Blättern ausgepolstert. Dort wird geschlafen, geruht und der Nachwuchs aufgezogen.

Interessanterweise lagern Eichhörnchen ihre Nahrung normalerweise nicht im Kobel. Ihre Vorräte befinden sich an vielen anderen Stellen.

Ein Eichhörnchen kann mehrere Kobel nutzen

Ein Tier ist nicht zwangsläufig an ein einziges Nest gebunden.

Neben dem Hauptkobel können weitere Schlaf- und Ausweichnester genutzt werden. Das ist praktisch, wenn ein Nest beschädigt wird oder das Tier schnell einen geschützten Platz benötigt.

Für die Jungenaufzucht baut das Weibchen besonders gut geschützte Wurfkobel.

Die Jungen kommen nackt und blind zur Welt

Bei der Geburt sehen junge Eichhörnchen noch überhaupt nicht wie die flinken Tiere aus, die später durch die Bäume springen.

Sie kommen nackt und blind zur Welt. Die Tragzeit liegt ungefähr bei 36 bis 42 Tagen; durchschnittlich werden etwa vier Junge geboren.

Die Jungen bleiben anschließend mehrere Wochen bei der Mutter.

Die spektakulären Jagden in den Bäumen haben oft mit Paarung zu tun

Wenn mehrere Eichhörnchen mit hoher Geschwindigkeit spiralförmig um Baumstämme und durch die Kronen jagen, handelt es sich nicht unbedingt um einen Streit.

Während der Paarungszeit verfolgen häufig mehrere Männchen ein Weibchen durch die Bäume.

Das kann ausgesprochen hektisch aussehen.

Eichhörnchen sind überwiegend Einzelgänger

Außerhalb von Paarung und Jungenaufzucht leben Eurasische Eichhörnchen überwiegend allein.

Sie bilden normalerweise keine dauerhaften Familiengruppen oder Rudel.

Eine Futterstelle kann trotzdem von mehreren Tieren besucht werden – das bedeutet aber nicht, dass sie zusammenleben.

Sie können einen Greifvogel mit einem einfachen Trick abschütteln

Bei Gefahr durch einen Vogel kann ein Eichhörnchen spiralförmig um einen Baumstamm laufen.

Der Stamm befindet sich dadurch immer wieder zwischen Eichhörnchen und Angreifer. Der LBV beschreibt dieses Verhalten ausdrücklich als Fluchtstrategie gegenüber Greifvögeln.

Für ein Tier, das ständig in drei Dimensionen zwischen Ästen unterwegs ist, ist der Baum selbst also gleichzeitig Fluchtweg und Schutzschild.

Eichhörnchen sind leichter als sie aussehen

Ein ausgewachsenes Eurasisches Eichhörnchen wiegt nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung ungefähr 200 bis 480 Gramm.

Der große buschige Schwanz und das Fell lassen die Tiere häufig deutlich massiger erscheinen.

Das geringe Gewicht ist natürlich ideal für das Leben auf dünnen Ästen.

Ihr Lebensraum reicht weit über Deutschland hinaus

Sciurus vulgaris ist über weite Teile Eurasiens verbreitet.

Das Verbreitungsgebiet reicht von Europa weit nach Osten bis in die Waldregionen Asiens. Auch Hochgebirge werden bis in die Nähe der Baumgrenze besiedelt.

Das Eichhörnchen, das im deutschen Garten sitzt, gehört also zu einer Art mit einem enorm großen natürlichen Verbreitungsgebiet.

Eichhörnchen sind echte Spezialisten – aber keine einfachen Nussfresser

Gerade das macht Eichhörnchen so interessant.

Sie können sich an sehr unterschiedliche Lebensräume anpassen, entwickeln individuelle Futtergewohnheiten, legen hunderte kleine Vorräte an, bewegen sich sicher in Baumkronen und beeinflussen durch vergessene Samen sogar die Vegetation ihrer Umgebung.

Und vielleicht der wichtigste Punkt für eine Seite über Eichhörnchenfutter:

Ihre natürliche Nahrung ist sehr abwechslungsreich.

Haselnüsse und Walnüsse gehören dazu – aber ebenso Bucheckern, Baumsamen, Pilze, Knospen, Früchte und viele weitere saisonale Nahrungsquellen.

Das macht eine naturnahe Fütterung interessanter als eine Futtermischung, die nur aus möglichst billigen Körnern besteht.